Das Gold von Ecuador - Quality Magazine
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Das Gold von Ecuador

Von Delilah Werdermann | Redaktion QUALITY Magazine

Tief in den Regenwäldern von Ecuador versteckt, zwischen den Anden und der ecuadorianischen Pazifikküste, liegt ein 650 Hektar großes Naturreservat namens Reserva Ecológica Jama-Coaque, das als eines der letzten Überreste des tropisch-feuchten immergrünen Regenwaldes sowie des vorgebirgigen Nebelwaldes gilt. Folgt man den geschlängelten Pfaden, entdeckt man ein weiteres Geheimnis, das dieses Reservat birgt: „Nacional“, die wohl älteste Kakaosorte der Welt und Grundlage für die teuerste Schokolade der Welt: To’ak Chocolate.

Fotocredits: © To’ak Chocolate

Es muss 2007 gewesen sein, als Jerry Toth mitten im Nirgendwo von Ecuador zur Unterstützung eines Regenwaldprojektes saß und in einer einfachen Hütte aus Bambus ohne Elektrizität Schokolade herstellte. Fasziniert vom Prozess, wie er den Kakao mit seinen eigenen Händen geerntet und dann zu essbarer Schokolade transformiert hatte, wollte er seine Leidenschaft in die ganze Welt hinaustragen. Er schloss sich mit Mitbegründer Carl Schweizer, Dennise Valencia (Geschäftsführerin), James Le Compte (CEO) und Servio Pachard (Kakaobauer) zusammen und gründete To’ak Chocolate – was Erde und Baum bedeutet –, um eine besondere Schokolade der anderen Art zu kreieren. Dass diese zur teuersten Schokolade der Welt avancieren würde, damit hätte wohl keiner gerechnet. Bis zu 300 USD können locker über die Theke gehen für eine einzige Tafel. Das Geheimnis von To’ak Chocolate liegt unter anderem darin, die Schokolade nicht nur als bloße Süßigkeit zu begreifen, die man in jedem Supermarkt bekommt, sondern mehr wie ein guter alter Wein oder Whiskey, der erst reifen muss.

So haben Jerry und sein Team nach dem Ursprung des Kakaos in Ecuador gesucht, denn es gilt als das Mutterland des Kakaos. Archäologen konnten die Ursprünge des Kakaobaums bis nach Ecuador zurückverfolgen, wo sie Hinweise auf die Domestizierung von Kakao fanden, die mindestens 5.300 Jahre in der Mayo-Chinchipe-Kultur zurückreicht. Im Regenwald suchten sie nach ausgestorben geglaubten Kakaobäumen und wurden im Piedra de Plata-Tal fündig: Die über 100 Jahre alten Bäume, die sogar eine Pilzkatastrophe überlebt haben, wurden einer DNA-Analyse unterzogen und 15 von ihnen stellten sich als Heimat des 100 % reinsortigen „Nacional“-Kakaos heraus. Ein Gefühl machte sich breit, als hätten sämtliche Alchemisten der Welt den Stein der Weisen gefunden. Ab diesem Punkt fing die richtige Arbeit erst an: Nach Untersuchung der Kakaobohnen, der Schoten und deren Geschmack machte sich das Team weiterhin auf die Suche, um die verschollenen Verwandten des „Nacional“ zu finden und entdeckten weitere Bäume, die der Urform sehr nahe kamen.

Neben der exklusiven Kakaosorte macht auch der Reifungsprozess To’ak Chocolate einzigartig. In Fässern reifen verschiedene Erntejahrgänge und je nachdem, unter welchen Wetterbedingungen der Baum gestanden hat,  kann man diese auch schmecken. So entfaltet die Sorte „Rain Harvest 2017“ zu Anfang einen Geschmack, der schwach blumig ist und mit einem Hauch von frischem Eukalyptus angereichert ist. Bei „Andean Alder“ erwarten einen Oregano, Holz und der Taste einer Zigarrenschachtel (!), die exzentrisch und herzhaft enden. Ein wahrer Augenschmaus ist das Design und die Verpackung, in deren Entwicklung zwei Jahre stecken. Eine handgefertigte Box aus Hartholz präsentiert die Schokolade wie eine wertvolle Perle, dazu gibt es eine Holzzange, ein kleines Heft mit der Entstehungsgeschichte und eine Art Leitfaden für die Verkostung. Zusätzlich ist auch T.cacao im Angebot, eine Trinkschokolade mit ebenso ausgefallenen Geschmacksnoten.

Übrigens zahlt To’ak Chocolate den Kakaobauern den höchsten Preis pro Pfund in ganz Ecuador, ungefähr 6.800 USD sollen sie für eine Tonne fermentierte und getrocknete Kakaobohnen erhalten. Zudem spendet To’ak Chocolate 1 % des Umsatzes an die „Third Millennium Alliance“-Stiftung, die sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzt. Durch die komplette Herstellung in Ecuador sind viele Tafeln nur auf eine bestimmte Stückzahl begrenzt. Wer hätte jemals gedacht, dass Schokolade wie vor einigen hundert Jahren wieder zu einem besonderen Luxusgut werden kann? Denn To’ak Chocolate ist wahrlich etwas für Genießer: Jede Tafel ist ein besonderes Stück Ecuador, die man auf einem unbekannten Pfad im Regenwald langsam und neugierig erkundet.

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